Projektarbeiten BEJ/k Floristik

BEJ/k Floristik - ein Modellversuch

Im September 2013 startete das Modellprojekt BEJ/k (Berufseinstiegsjahr kooperativ) im Fachbereich Floristik an der Berufsschule Gartenbau, Floristik und Vermessungstechnik in MĂĽnchen. Dieses Jahr ist ein schulisches Vollzeitjahr mit acht Wochen Praktikum in dem die SchĂĽler/-innen alle Inhalte des ersten Ausbildungsjahres erlernen und anwenden.
Es starteten 15 SchĂĽlerinnen und ein SchĂĽler mit unterschiedlichsten SchulabschlĂĽssen und sozialen HintergrĂĽnden mit dem gemeinsamen Ziel, nach diesem Jahr eine Ausbildungsstelle in einem Floristikfachbetrieb zu erhalten.
Die Planung der Unterrichtsinhalte im Vorfeld lehnte sich stark an die Abläufe im Betrieb an. Die Betriebsabläufe aufzugreifen ist wichtig, um den Schüler/-innen den Alltag im Betrieb zu simulieren. So geschieht dies beispielsweise am Anfang der Woche, indem die Schüler/-innen die für den Unterricht gelieferten Schnittblumen vorbereiten (putzen, anschneiden, Vasenpflege, Präsentation). Ebenso werden die Schüler/-innen in Teams eingeteilt, die für die Pflanzenpflege im Schulgebäude verantwortlich sind. Dabei lernen Sie verschiedene Zimmerpflanzen, ihre Bedürfnisse an Licht, Wasser und Nährstoffe kennen. Ein nicht zu verachtender Teil ist auch die Übernahme von Verantwortung für den zuständigen Bereich.
Die Schüler/-innen gründen während dieses Ausbildungsjahres einen fiktiven Betrieb – von Namensfindung, Planung des Sortiments, Beschaffung von Materialien über  Warenplatzierung sowie alles was zu einem Betrieb dazugehört.

Die Produktion floristischer Werkstücke findet mehrmals wöchentlich während des fachpraktischen Unterrichts statt. Anhand der erstellten Werkstücke, wird die Gesprächsführung von der Auftragsannahme bis zum Kassiervorgang trainiert. Dabei findet das Kommunikationstraining in einer realistischen Umgebung statt, da ein Teil des Klassenzimmers zu einem Verkaufsraum mit Kassenbereich und Auftragspinnwand umgestaltet wurde.
Die Namensfindung, die Gestaltung des Firmenlogos sowie die Gestaltung der Firmen-Visitenkarte wird von den Schüler/-innen mit Unterstützung der Lehrkräfte selbstständig erarbeitet. Dabei werden die Schüler/-innen zu Auszubildenden des Betriebs, die Lehrkräfte übernehmen die Positionen der Ausbilder und die Klassenleitung die Position des Betriebsinhabers.
Der Unterricht findet fächerübergreifend statt. Die Schüler/-innen erkennen so den Zusammenhang der einzelnen Inhalte zum Ganzen besser. Sie wenden Inhalte, die sie schon erlernt haben, immer wieder an und vertiefen sie. Dabei werden folgende Fächer unterrichtet:
•    Pflanzenkunde und Pflanzenpflege
•    Floristische Grundtechniken (alle fachpraktischen Inhalte des 1. Ausbildungsjahres)
•    Saisonale Floristik (Erarbeitung aller floristisch relevanten Werkstücke)
•    Gestaltungslehre (inkl. Farbenlehre und Materialkunde)
•    Betriebsorganisation
•    Berufsspezifische Kommunikation
•    Berufsspezifisches Rechnen
•    Berufsspezifische Datenverarbeitung
•    Ethik
•    Sport
•    Sozialkunde
Anbei ein Beispiel anhand des Unterrichtsplans der Woche vom 25.11- 29.11.2013:



Die Schüler/-innen lernten am Montag die in der Floristik verwendeten Koniferen kennen und bereiteten eine Präsentation mit Anschauungsmaterial der verschiedenen Koniferen für die Adventsausstellung vor. Diese Koniferen wurden mit kleinen Kärtchen versehen, die mit deutschem und botanischem Namen beschriftet waren. Diese wurden in der Aula aufgehängt und sollten anderen Schülern und Besuchern die in der Adventsfloristik verwendeten Koniferen aufzeigen. Später folgte die Kerzenkunde. In dieser Unterrichtseinheit wurde das Wissen zu Kerzenaufbau, Kerzenrohstoffe, -herstellung, Sicherheitshinweisen und Anforderungen an Kerzen in der Floristik vermittelt. Ebenso war diese Unterrichtseinheit Einstimmung zur Betriebsbesichtigung der Wachszieherei Fürst in München. Am Nachmittag wurde den Schüler/-innen die Symmetrie anhand der symmetrischen Garnierung von Adventskränzen aufgezeigt.
Dienstag früh wurde dies durch das praktische Umsetzen am Werkstück „Adventskranz“ vertieft. Am Nachmittag stand dann die Betriebsbesichtigung der Wachszieherei Fürst auf dem Stundenplan, wo die Schüler/-innen das Erlernte auch in Realität in der Werkstatt sehen und auch selbst in Form von Kerzentauchen ausprobieren durften.
Mittwoch begann der Tag mit der aktuellen Stunde in der sich die Schüler/-innen mit den täglichen Ereignissen in Wirtschaft und Politik auseinandersetzten. Es folgte das Fach „berufsspezifische Rechnen“, in dem den Schüler-/innen die fachlich wichtigen Berechnungen nähergebracht werden (Volumen- und Flächenberechnung, Prozentrechnen, Kopfrechnen etc.). Da der Beruf Florist auch körperlich einiges abverlangt findet Sportunterricht statt, der den Schüler/-innen Möglichkeiten aufzeigt einen Ausgleich zu den stehenden, körperlich manchmal schweren Tätigkeiten zu finden. Danach fanden sich die Schüler/-innen in Teams zusammen um ihren Diensten nachzugehen. Sie gossen die Pflanzungen im gesamten Schulhaus, inklusive Pflanzenpflege und monatlicher Düngung aller Pflanzen. Ebenso wurde als Teil der Dienste, die Blumenvasen frisch gemacht sowie die Kühlung und der Vorbereitungsraum aufgeräumt. Den Abschluss des Tages bildete das Fach Ethik, in dem über die kulturelle Bedeutung und religiöse Unterschiede von Advent und Weihnachten gesprochen wurde.
Donnerstag stand ganz im Zeichen des Advents und der Adventsausstellung. Die Schüler/-innen fertigten Adventskränze an. Dafür bekamen Sie schriftliche Aufträge von der Schulgärtnerei (die Schule ist eine Produktionsschule mit Verkauf) erteilt, die die Schüler/-innen erledigen mussten. Auch hier wieder der Bezug zum Betrieb. In der nächsten Stunde wurde die Einladung zur Adventsausstellung selbstständig erarbeitet, vom Text bis zur Gestaltung der Einladungskarte. Anhand der Werkstücke wurden daraufhin das Verkaufsgespräch sowie die (telefonische) Auftragsannahme praktisch geübt. Eine Hausaufgabe der Woche war sich Adventsausstellungen anzusehen, zu fotografieren, um in der nächsten Woche eine Powerpoint-Präsentation zu erstellen. In der EDV- Unterrichtseinheit wurde den Schüler/-innen das dazu notwendige Handwerkszeug mitgegeben.
Freitags findet morgens das Fach Pflanzenkunde seinen Platz im Stundenplan. Hier werden Inhalte zu Pflanzenmorphologie, Pflanzenanatomie etc. vermittelt und die Pflanzennamen der am Wochenanfang  erlernten Koniferen abgefragt. Später finden diese Inhalte Verwendung im praktischen Teil da ab jetzt nur noch mit Fachbegriffen und botanischen Namen gearbeitet wird. Es werden die letzten Adventskranzbestellungen gefertigt und die Kränze garniert. Die verwendeten Zapfen wurden nochmals in der folgenden Unterrichtseinheit genauer betrachtet, die dazugehörenden Koniferen bestimmt und dies natürlich schriftlich gesichert. Die letzte Unterrichtseinheit diente der Reflexion. Um einer dualen Ausbildung möglichst nahe zu kommen, wird neben einem Lerntagebuch in dem die SchülerInnen anhand von Bildern und Erfahrungsberichten ihren Lernfortschritt dokumentieren, ein Berichtsheft wie in der dualen Ausbildung geführt. Das Berichtsheft vervollständigt die Ausbildung und dient der Dokumentation der erlernten Inhalte. Der wöchentliche Eintrag ins Berichtsheft besteht aus dem Wochenbericht, einem Blütenkalender der in dieser Woche gelernten Pflanzennamen, einer Zeichnung z.B. des gefertigten Werkstücks und einem Bericht zu einem bestimmten Thema, in dieser Woche z.B. Binden eines Kranzes in Deichform auf der Strohwulst. Die schriftliche Dokumentation des Praktikums in einem Praktikumsbericht ist ebenso ein wichtiger Teil der Ausbildung.
Ein großes Ziel war die Geschäftseröffnung von "Fleur Aurora" mit einer Weihnachtsausstellung, zu der neben dem Lehrerkollegium auch die Eltern, Freunde und andere Gäste der Schüler/-innen eingeladen waren. Sie konnten sehen, was die Auszubildenden von "Fleur Aurora" schon alles gelernt und umgesetzt haben. Es gab eine Schulführung, Werkstücke und Arbeiten der Schüler/-innen wurden ausgestellt um einen Einblick in das momentane Können der SchülerInnen zu geben.
Im Fach Materialkunde folgten verschiedene Workshops zum Thema „Keramik“ und „Korbwaren“, die aus theoretischen und praktischen Inhalten bestanden. Es entstanden tolle Werkstücke, die das Erlernte wiedergaben.

Durch diese Vernetzung der praktischen und theoretischen Unterrichtinhalte werden die SchĂĽler/-innen optimal auf den betrieblichen Ablauf vorbereitet, den sie in den vorgesehenen Praktika vorfinden werden.
Zwei von vier geforderten Praktika fanden bereits im November 2013 sowie im März 2014 statt. Fast alle Schüler/-innen kamen begeistert und in der Regel hochmotiviert zurück in die Schule, bestärkt in ihrem Vorhaben die Ausbildung zur FloristIn zu absolvieren. An dieser Stelle herzlichen Dank an den FDF und an alle Betriebe die sich bereit erklärt haben Praktikanten aus dem BEJ/k zu aufzunehmen. Wenn wir Ihr Interesse geweckt haben und Sie Praktikums- und/ oder Ausbildungsplätze für unsere Schüler/-innen zur Verfügung stellen können, wenden Sie sich bitte an Frau Langen (089/23382900).
Wir wünschen allen Schüler/-innen viel Erfolg für ihre Laufbahn in der Floristik, so dass sie nach dem Bestehen dieses Ausbildungsjahres einen passenden Ausbildungsbetrieb finden, in dem sie ihre Ausbildung fortsetzen können.

Anita Dengel
Birgit Langen
Städt. Berufsschule für Gartenbau, Floristik und Vermessungstechnik, München